Ercoles-Blog - Ercoles Homepage

Ercoles-Welten
Direkt zum Seiteninhalt

Das Zeichen

Ercoles Homepage
21 Januar 2021
Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen hoch oben auf der Rhön ließen mich an jenem Sonntag Ende Juli 2019, spontan eine Hochrhön-Rundfahrt auf meiner Moto Guzzi California 1100 EV unternehmen.

Die direkte aber unschöne Strecke zur Wasserkuppe, der höchsten Erhebung in der Rhön, beträgt etwa 75 km. Die von mir schon vor Jahren ausgetüftelte Rundtour kommt auf 225 km, also eine ausgedehnte Halbtagestour mit dem italienischen Zweizylinder-Dampfhammer.  Diesen Rundkurs nehme ich etliche male pro Jahr unter die Räder.

Kommend von der Hochrhön-Straße mit herrlichen Aussichten in die thüringische Senke ist der  erste Stopp am „Schwarzen Moor“. Eine original Thüringer Bratwurst im Brötchen mit einem Pott Kaffee ist dort Pflicht. Wenige Meter vor der ehemaligen innerdeutschen Grenze kann man sich die Füße bei einem Kurzspaziergang am Dreiländereck zwischen Thüringen, Hessen und Bayern vertreten.
So gestärkt geht es weiter und auch weiter hoch bis zum nächsten Halt auf dem „Berg der Segelflieger“, der Wasserkuppe. Lange halte ich mich dort oben nicht auf, nicht wegen der Temperatur, wegen dem ganzen „Halli Galli“ der dort an jedem Wochenende herrscht.

Das nächste Städtchen, welches ich von der Wasserkuppe kommend durchfahre, ist Gersfeld.
Dieses befuhr ich an diesem schönen Julitag, auf der Vorfahrtatstraße kommend, in Richtung Fulda bis 12.01 Uhr .

Beim Aufschlag auf den Asphalt schoss mir es mir in den Kopf. Das war das Zeichen! Das soll es nun mit dem Motorradfahren gewesen sein. Ich bin mit über 60 Jahren schon zu alt für solche Sachen. Ende, Aus!

Ein 75jähriger Autofahrer aus dem Rhein/Maingebiet hatte mir die Vorfahrt genommen. Die Sachlage wurde polizeilich aufgenommen und war eindeutig, Ich bin mittig  in das quer zur Fahrbahn stehende Auto des Unfallgegner eingeschlagen, hatte keine Chance für irgendwas.
In der halben Stunde, die ich zusammen mit Polizei, Unfallgegner und Zeugen auf die Ankunft des Abschleppers warten musste, fühlte ich mich mehr als niedergeschlagen. Meine California und ich, ein Arsch und eine Seele, 20 Jahre, Bilder, Geschichten und Erlebnisse liefen Revue.

Wenige Tage später hatte bereits ein Gutachter meine Maschine beim Bergungsunternehmen taxiert. Sein niedergeschmettertes Ergebnis: Totalschaden. Die bis zum Lenkkopf deformierte Maschine, welche ich zusammen mit meiner besseren Hälfte vom Gelände des Abschleppers abholten konnte, stand nun auf dem Hof.     

Erstens kommt es anders und zweites als man denkt

Meine Frau hat sich nicht damit abfinden können, mich als ein Häuflein Elend mit geschwollener rechten Hand vor der California sitzen zu sehen und wurde aktiv.  
„Schau doch mal, was ich da gerade gefunden habe“ meinte sie. Auf der Internet-Seite des Guzzi-Center-Lamparth in Bad Boll, war eine Moto Guzzi 1100 EV mit 40.300 km, gleiches Baujahr, gleiche Farbe  zu einem attraktiven Preis gelistet, quasi eine Kopie meiner alten Cali!
„Das gibt es doch nicht!“  Telefonisch wurde ich dort sofort handelseinig und schon am 10.08. konnte ich die Maschine in Bad Boll abzuholen.
In den folgenden Tagen stand neben der verunfallten nun auch die „neue“ Guzzi auf dem Hof. Von der alten California konnten einige Teile und sogar der Tank gerettet und auf die Neue übernommen werden.
Drei Tage später war meine alte ab- und die neue California um- und angemeldet.

Die gut 14 Tage zwischen dem Unfall und nun auf der neuen Maschine sitzend, kamen mir wie eine heftige Berg-u. Talfahrt vor. Deutlichstes Zeichen das es „anders gekommen“ als „anfangs gedacht“, ist auf dem Tacho der neuen Guzzi ablesbar: 48.700 km.  2.300 km im Restjahr 2019 und 6.100 km im „für die Tone“ Jahr 2020 zeigt überdeutlich, dass ich – Dank meiner besseren Hälfte -  wieder Spaß am Guzzifahren habe! Mein Ercole muß nun doch noch etwas auf mich warten.
 

 


0
Rezensionen
Zurück zum Seiteninhalt