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Ein unrühmliches hessischen Verfahren

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Veröffentlicht von hwk in hwk-press.en-a.de · 10 Januar 2020
Tags: Zulassungsverfahren
Nehmen wir einmal an, wir wollen uns zum Transport von Autos, Motorräder oder auch nur allgemeiner Zuladung einen Pkw-Anhänger (Klasse O) zulegen.

Nehmen wir weiter an, es kommt tatsächlich zum Kauf des Wunschanhängers. Freude macht sich breit, denn wenige Tage nach Bezahlung liegen die Papiere des Hängers im Briefkasten.
Wir leben in Deutschland – nicht in Hessen –  und würden nach Vorlage dieser Papiere in jeder örtlichen Zulassungsstelle damit ein Fahrzeugbrief nebst Schein erstellt bekommen- und fertig.

Nun aber nehmen wir an, wir leben in Hessen. Hier wird die Arbeit der örtlichen Zulassungsstellen beschnitten, denn die Verfahren gem. § 19 i.v.m. §21 STVZO sowie § 13 EG-FVG wurden hessenweit zentralisiert. Zwei sogenannte Bündelungsbehörden, die in Fulda und in Marburg – Biedenkopf, sind dafür zuständig. Das heißt für den ersuchenden Bürger, nicht wie in den anderen 15 Bundesländern gängige Praxis, den kurzen Weg zur örtlichen Zulassungsstelle, sondern den langen, zeitraubenden und teuren Weg nach Fulda oder Marburg-Biedenkopf.

Hier muß neben dem „Antrag auf Erteilung der Einzelgenehmigung“ alle weiteren zwingend benötigten Papiere – 15-16 Schriftstücke sind im allgemeinen nötig -  per Post, per E-Mail oder per Fax gesandt werden.
Dass es bei der Bearbeitung zu Komplikationen kommen könnte, ist bei fabrikneuen Anhängern wohl eher unwahrscheinlich und wohl der „staatlichen Kostenoptimierung  geschuldet.

Nun ist guter Rat teuer.

Die vom freundlichen Versicherungsvertreter genannte eVB-Nummer zur Versicherung eines Kurzzeit-Kennzeichens um damit den Hänger abzuholen und der örtlichen Zulassungstelle vorzuführen läuft ins Leere, denn dort untersagt man uns dieses. Die Fahrt mit dem Hänger wäre ja ohne Betriebserlaubnis.

Nun, nicht nur Verbote, auch eine Idee kommt dort zur Sprache.

Man möge doch mit dem Verkäufer in Verbindung treten und diesen bitten, unseren Hänger der örtlichen Zulassungsstelle zur Sichtprüfung – quasi  als „Amtshilfeersuchen“ vorzuführen. Das dort erlangte Ergebnis  einfach hier wieder vorlegen und dann würde man damit auf die Vorführung des Hängers hier vor Ort verzichten und den Brief auch so erstellen.

Der Verkäufer, sagen wir einmal ein Großhändler in NRW, findet Zeit und Muße , unseren Hänger der örtlichen Zulassungstelle vorzuführen.
Voreilig kommt Freude auf, der Händler hat sich dazu bereit erklärt, nennt uns nun aber das Ergebnis der Vorführung:

Wir haben uns heute bemüht, den Hänger bei unserer Zulassungsstelle vorzuführen um durch einen staatlich geprüften Mitarbeiter der Zulassungsstelle die Fahrzeugidentnummer überprüfen zu lassen, wozu die DEKRA nach Meinung der Zulassungsstelle in Fulda nicht in der Lage ist.
Die Zulassungsstelle hat diesen Arbeitsgang (Besichtigung vor der Tür der Zulassungsstelle und Ausstellen einer Bescheinigung) abgelehnt mit der Begründung, dass dies in ihren Arbeitsanweisungen nicht aufgeführt sei und nicht bezahlt würde.

 
Das positive Ergebnis aus Fulda ist mittlerweile da . Damit würde in der örtlichen Zulassungstelle endlich der Brief erstellt werden – natürlich vorausgesetzt, der Hänger liegt dort zur amtlichen Prüfung vor.  

Was lernen wir aus dieser Geschichte?

Wir kaufen einen Wunschanhänger irgendwo in Deutschland , nur nicht in Hessen, bitten den Verkäufer, diesen per Tageszulassung zuzulassen und den somit erzeugten Fzg-Brief zu übersenden. Damit ginge es dann flugs zur örtlichen Zulassungsstelle und der Besitzwechsel im Fzg-Brief und Schein wird eintragen – fertig.

Na gut, wir wären bei dem Kauf eines fabrikneuen Anhängers im Fzg-Brief nur Zweitbesitzer, aber der Zulassungsstelle sind diesbezügliche weitere Ideen offenbar ausgegangen.

Aus 15 Bundesländern nur Kopfschütten, herzhaftes Lachen aber auch aufrichtiges Bedauern – arme Hessen.


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