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Moto Guzzi 850 T5

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Veröffentlicht von hwk in hwk-press.en-a.de · 21 Januar 2021
Tags: MotoGuzzi
Sie sei nicht mehr die Jüngste, die Maschine ist ihr zu schwer und unhandlich, Anspringen sei das reinste Glücksspiel.  So oder so ähnlich waren die Worte meiner Gine, die zur Stilllegung ihrer  T5 führten. Meine bessere Hälfte hatte sich auf eine YAMAHA MT09 eingeschossen.

„ Die ist nur halb so schwer wie die T5 hat aber fast doppelt so viele PS, verschiedene Fahrmodi und ABS.“ Argumente, die ich nicht einfach beiseite wischen konnte.
Denn auf der vorerst vorletzten Dortmunder-Motorradmesse wurde genau dieses Yamaha-Modell auf der MOTORRAD-Bühne vom Fachjournalisten über alle Himmel gelobt. „ Wer zwei linke Hände hat, außer Motorradfahren und tanken sich ansonsten nicht weiter mit der Maschine beschäftigen möchte, liegt mit der MT09  genau richtig.“  
Die Komplett-Zerlegung nach einer gewissen Kilometerzahl,welche MOTORRAD jedem Model unterzieht, brachte es zu Tage. Es wurde NICHTS gefunden, es war NICHTS zu bemängeln, keine erkennbaren Abnutzungen, alle Schrauben fest. Top Modell, Top Produktionsfertigung – Japaner eben.

So stand dann auch gleich eine MT09 in Hof. „Was für eine schöne Maschine!“  Aber schon während einer mehrtägigen Gruppenfahrt Dubrovnik hin und zurück konnten alle sehen, dass diese Maschine der Fahrerin große Schmerzen in Steiß und Lendenbereich verursachte. Lange Rede, kurzer Sinn. Verschiedene Gel-, Sport- und Touring- Sitzbänke kamen zum Einsatz – alle ohne Erfolg. Nur eine lenkerfeste Scheibe brachte der Fahrerin leichte Linderung im Schulter/Nackenbereich. SW-Motech entwickelte für diese Maschine extra ein bis dato nicht vorhandenes Gepäcksystem.

Bei einem Motorrad-Urlaub in den französischen Seealpen gebährdete sich diese Maschine wie eine nervöse Diva.
Unsere Guzzis bollerten im 2. Gang um die Spitzkehren, die MT09 musste bei Laune gehalten werden und das heißt schalten, schalten, schalten egal ob im Regen-, Sport- oder sonstwer Modus.
Thema Laune, eine MT09 ist schneller unterwegs als wir auf unseren Guzzis. Es macht MT09 Fahrern offensichtlich keinen Spaß, mit dieser Maschine hinter den „lahmen“ Guzzis her zu fahren.

Es hat lange gedauert aber der Entschluß, ihre T5 wieder auf die Straße zu bringen, war die richtige Entscheidung. „Schlecht habe ich eigentlich nie auf ihr gesessen und die Vollverkleidung hat ja schon was gebracht“. Was lange zurück liegt wird gerne schön geredet.
Aber Heck und Front gefallen ihr nicht und soll geändert werden, Rund- statt eckigem Scheinwerfer. Schmales Heck, elektronische Zündung, LED Licht, Raceing green mit schwarzen Streifen, auch die Felgen…..und....und....und.

Ok, sagte ich mir im Januar 2020 , dann fang ich halt mal mit der Demontage an. Die auf der Scheune abgedeckt stehende T5 konnte ich zwar abdecken, bewegen konnte ich sie aber noch nicht, denn beide Reifen waren platt.
Für dieses Problem habe ich einen  Kompressor mit langem Schlauch.  Nun konnte ich die blaue Diva aus der Ecke heraus bewegen und Platz zum Schrauben schaffen. Am Ende des zweiten Tages war die T5 um etliche Kilo leichter.
Koffer, Kofferträger, Vollverkleidung samt Träger, Scheinwerfer und Armaturen, alles wurde nun auf die Regale deponiert. Per Aufzug kam die Guzzi wieder nach unten auf den Hof und wohl erstmals nach 6 Jahren auch wieder mit Wasser, Shampoo und Bürste in Kontakt.

Meine Arbeit war getan, nun ist unser Kumpel Harry dran. Per Motorradanhänger haben wir die T5 bei ihm abgeliefert. In 10 Wochen hat Harry, immer in Kontakt mit uns, eine optisch und technisch quasi andere Maschine auf die Beine gestellt: Gekürzter vorderer Kotflügel, neuen Lenker, runder Frontscheiwerfer, GPS- Multi-Tacho-Instrument, elektronische Zündung, Optimierte da nun mit Beschleunigerpumpe arbeitende Vergaser, neue hintere Bremsscheibe und neuen Kotflügel, Magnet-Seitenständer , LED Seiten und Rück/Bremslicht, Rahmen, Tank, Kotflügel, Seitenteile und Beschriftung zweifarbig lackiert. Nachweislich konnte Harry die T5 noch am letzten Tag vor der Coronaschließung der TüV Prüfstelle zur Prüfung vorführen und die begehrten Papiere erhalten.

Die Anmeldung wenige Tage später zu Hause bei der heimischen Zulassungsstelle war „Dank Corona“ nicht mehr möglich, die Stelle im Rathaus hat einfach zugemacht. Guter Rat war nun teuer.
Die  MT09 wurde vom Yamaha-Händler zurück gekauft aber nur der Händler konnte mit den T5-Anmeldepapieren und Vollmacht in ca. 10 Tagen erreichen, dass meine bessere Hälfte ihre Guzzi, nun mit neuem Kennzeichen versehen, die erste kleine Tour mit mir machen konnte. Der Ärger über den maßlos überteuerten Anmeldevorgang war nach den ersten paar Metern mit der T5 verflogen.

                          So für sechs Jahren abgestelt

 

 

Alle Guzzis der V7 Serie sind neuer moderner, haben aber keine Schnitte gegen diese über 30 Jahre alte auf 16 Zoll Rädern laufende 68 PS starke 850 T5.  Und ich weis, dass ich mit meiner nur 20 Jahre alten Einspritzer Guzzi California 1100 EV mit 75 PS und größeren Rädern leider auch nur der zweite Sieger hinter der T5 geworden bin. Neu für mich ist zudem die Tatsache, dass nicht meine California, sondern die T5 meiner glücklichen besseren Hälfte bewundernde Blicke auf sich zieht.  Sie sind aber auch wirklich schön – Beide!

 

 


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